Frühe Aussaat birgt Risiken / Regionale Unterschiede erfordern Fingerspitzengefühl
L P D – Die aktuellen Wetterbedingungen sorgen für gemischte Gefühle in Niedersachsens Landwirtschaft. Während die trockene Witterung die Pflegemaßnahmen des Bodens und die Aussaat begünstigt, fehlt dringend benötigter Regen, um die Pflanzen optimal wachsen zu lassen, schreibt der Landvolk-Pressedienst. „Seit sieben Wochen herrscht in vielen Regionen Niederschlagsmangel. Der letzte Regen fiel mancherorts Anfang Februar. Die Temperaturen sind zwar im normalen Bereich, doch der fehlende Niederschlag verhindert die optimale Aufnahme von Dünger durch die Pflanzen“, erklärt Thorsten Riggert, Vorsitzender des Ausschusses für pflanzliche Erzeugnisse im Landvolk Niedersachsen. Stattdessen herrsche seit drei Wochen Nachtfrost, sodass die Wintergerste deutliche Stresssymptome zeige: „Den Feldern, die bereits grün waren, sieht man den fehlenden Niederschlag an.“
Auch für den Anbau von Zuckerrüben und Zwiebeln ist die Trockenheit problematisch. Mindestens zehn Millimeter Regen wären laut Riggert notwendig, um das Saatgut sicher keimen zu lassen. Derzeit werde noch nicht beregnet, doch in leichten Bodenregionen könnte dies bald notwendig werden. „Die Wasserreserven der schweren Böden, die durch die feuchten Wintermonate gut gefüllt wurden, helfen dort aktuell noch. Unsere Landwirte müssen abwägen, ob sie mit der Aussaat weiter fortfahren oder auf bessere Bedingungen warten“, schildert der Vorsitzende die Situation. Insgesamt war der Februar 2025 in Niedersachsen laut Deutschem Wetterdienst (DWD) mit 13,8 mm gegenüber den 53,7 mm des 30-jährigen Mittels deutlich zu trocken.
In den vergangenen Jahren waren die Felder im März aufgrund der vielen Niederschläge kaum befahrbar. Nun nutzen Niedersachsens Landwirte die trockenen Bodenverhältnisse, um das Sommergetreide und die Erbsen auszusäen. Auch Zuckerrüben wurden bereits gedrillt, doch die kühlen Temperaturen könnten das Keimen verhindern. „Zuckerrüben werden eigentlich erst nach den Nachtfrösten gedrillt. Es wird sich zeigen, ob der frühe Saattermin strategisch klug war. Ein zu früher Start könnte eine erneute Aussaat nötig machen und durch späteren Starkregen konterkariert werden“, erklärt Riggert die Problematik.
Derweil zeigen sich in den Rapsfeldern erste Schädlinge. Die Frostnächte reduzieren deren Schaden jedoch aktuell noch. „Der Warndienst hat in unserer Region bislang keine akute Gefahr gemeldet. Andernorts wurden aber schon erste Behandlungsmaßnahmen durchgeführt“, weiß Riggert zu berichten. Laut Bericht des DWD für Niedersachsen könnte ab der kommenden Woche etwas Regen einsetzen. „Unsere Landwirte müssen ihre Entscheidungen weiterhin von den lokalen Bodenverhältnissen und der Wetterentwicklung abhängig machen. Trotz der guten Bearbeitungsmöglichkeiten bleibt der fehlende Regen das dominierende Problem dieser Frühjahrsperiode“, sagt Riggert abschließend. (LPD 24/2025)