„Landwirtschaft stärken in Krisenzeiten“ – Junglandwirtetag in Hameln

L P D – „Wer für seine Position nicht einsteht und kämpft, der hat schon verloren“, mit diesem Satz eröffnete Max Klockemann, Vorsitzender der Junglandwirte Niedersachsen, am 25. Februar den Junglandwirtetag 2025 in Hameln und begrüßte die knapp 400 Gäste. Unter dem Motto „Weiter denken – Landwirtschaft stärken in Krisenzeiten“ bezog er sich damit unter anderem auf die Bauernproteste im vergangenen Jahr, die in der Bevölkerung große Sympathien hervorgerufen haben. „Damals hatten wir den Eindruck, verstanden und gehört zu werden“, erinnerte sich der Ackerbauer aus Bad Münder. Die politischen Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft seien jedoch nach wie vor so herausfordernd, dass viele gut ausgebildete Junglandwirte zögerten, die elterlichen Höfe zu übernehmen. Dort bestehe großer Handlungsdruck. „Die Politik muss jetzt wirklich handeln“, forderte er.

Dass die Proteste bereits ganz konkrete Auswirkungen hatten, bestätigte die Europaabgeordnete Lena Düpont. „Landwirte sind ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung mit einer großen Verantwortung, weil alle Anderen von ihnen ernährt werden“, verdeutlichte sie. Dank der Demonstrationen seien die Landwirte in Brüssel wahrgenommen worden. Sie hob besonders die Postkartenaktion des Landvolks Niedersachsen hervor, die dazu geführt habe, dass sich auch landwirtschaftsferne Abgeordnete mit Themen wie der geplanten Verordnung zur nachhaltigen Verwendung von Pflanzenschutzmitteln (SUR) beschäftigt hätten. „Das war der entscheidende Punkt bei der Abstimmung“, ermutigte sie die Junglandwirte, sich politisch einzubringen. Das sei die Grundlage einer funktionierenden Demokratie.

In diese Kerbe schlug auch Hans-Christian Maaß, der in der DDR aufgewachsen ist, nach einem missglückten Fluchtversuch in einem Stasi-Gefängnis inhaftiert und von der Bundesrepublik Deutschland freigekauft wurde. Anschließend studierte er Agrarwissenschaften und war Leiter der Heimvolkshochschule Barendorf bei Lüneburg. Nach der Wiedervereinigung beauftragte ihn der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl, den DDR-Propagandaapparat abzubauen. Es folgten weitere Jahre in der Politik und in der Wirtschaft.

Mit dieser Lebensgeschichte blicke er wie mit einem Brennglas auf die aktuelle politische Entwicklung. „Ich bin entsetzt über den Ausgang der Bundestagswahl am Sonntag“, sagte er mit Blick auf den starken Zuwachs am rechten Parteienrand. Die freiheitlich-demokratische Grundordnung gehöre zu den Dingen, an denen niemals gerüttelt werden dürfe. „Die Demokratie war jahrelang selbstverständlich, das ist nun anders“, stellte er fest. Das Engagement jedes einzelnen Bürgers müsse daher revitalisiert werden: „Frage nicht, was Dein Land für Dich tun kann, sondern frage, was Du für Dein Land tun kannst“, zitierte er den früheren US-Präsidenten John F. Kennedy und forderte die Junglandwirte auf, sich zu engagieren.

Landwirt Dr. Hendrik Habermann nahm die praktische Landwirtschaft in den Blick. Damit die Landwirtschaft in Krisen als stabilisierender Faktor fungieren könne, müsse sie schließlich selbst krisenfest sein. In seinem Vortrag spannte er den Bogen von der steigenden Nachfrage nach Lebensmitteln aufgrund der wachsenden Weltbevölkerung hin zu gleichzeitig abnehmender landwirtschaftlicher Nutzfläche und Ernteeinbußen durch extreme Wetterlagen. „Vor diesem Hintergrund müssen wir die Effizienz auf dem Acker steigern, um die Weltbevölkerung zu ernähren“, brachte er es auf den Punkt. Dazu bedarf es einer funktionierenden Digitalisierung, der Pflanzenzucht und neuer Wirkstoffe bei Pflanzenschutzmitteln. Dies alles fördere zugleich die Nachhaltigkeit.

„Grundlage ist und bleibt jedoch stets der Boden“ stellte der Ackerbauer fest. „Eine Gesellschaft, die ihren Boden zerstört, zerstört sich selbst. Habermann setzt seit sechs Jahren auf die konservierende Landwirtschaft – verzichtet also komplett auf den Pflug und andere Bodenbearbeitungsgeräte. „Der Verlust von Boden durch Erosion ist dadurch gesunken, und die Erträge sind bis auf den Mais genauso hoch wie bei konventioneller Bodenbearbeitung“, erläuterte er. „Bei Trockenheit sind hingegen die vermehrten Mäuse und bei feuchtem Wetter die Schnecken eine große Herausforderung“, nannte er die Nachteile. Trotzdem: „Im ersten Jahr habe ich noch Spott geerntet, mittlerweile habe ich schon einige Berufskollegen überzeugt, mal mit einer kleinen Fläche anzufangen“, freut sich das Mitglied von deutschlandweit 100 Leitbetrieben Pflanzenbau des Bundesministeriums für Landwirtschaft. Habermann ist daher für die anwesenden Junglandwirte ebenfalls ein gutes Beispiel, was entstehen kann, wenn Menschen für ihre Überzeugungen einstehen und kämpfen. (LPD 17/2025)